Alles auf Wunsch ;)

Am Samstag hab ich ein Mädchen kennengelernt. Irgendwie sah sie traurig aus, das hat mir gefallen. Ich wollte sie aufmuntern, also habe ich mich nett mit ihr unterhalten. Es stellte sich heraus, dass ich sie in der UBahn schon gesehen hatte, daran konnte ich mich nicht erinnern.

Aber das passiert mir sowieso häufiger, dass ich mich nicht erinnern kann. Vielleicht sollte ich weniger trinken, wenn ich weggehe. Langsam ist es echt peinlich ein Mädchen anzusprechen, das ich schon kenne. Besonders peinlich wird das, wenn ich tief in meine Trickkiste greife und meine Lieblingsmasche versuche. Das sieht dann so aus (auf die Gefahr hin, dass sie jetzt jede kennt und ich sie dann nie wieder verwenden kann): “Hey, sag mal kommst du aus Wien.” “Ja.” “Ah ok, weil ich komm aus Berlin und kenn mich hier nicht so aus, weißt du vielleicht wo man jetzt noch hingehen könnte?” Und schon bin ich im Gespräch. Eigentlich außerordentlich billig, aber ich mags. Einmal mögen viele Leute Berlin und damit hat diese Info immer so einen kleinen Wow-Effekt und dann hat man gleichzeitig viele Anknüpfungspunkte für eine weitere Unterhaltung. Es kommt also denkbar schlecht, wenn ich ein Mädchen so anspreche und sie mir dann sagt, dass wir uns vor einem halben Jahr schon kennengelernt haben.

Das traurige Mädchen war also ganz nett, bis sie mich fragte , ob ich ihr jetzt einen Whisky-Cola ausgebe. Ich hasse es, wenn Frauen sich in Clubs so gezielt einladen lassen, deshalb sage ich dann grundsätzlich nein. Das Mädchen meinte aber ich hätte sie falsch verstanden und sie habe gefragt ob ich mit ihr zur Bar komme, um was zu trinken. Wir gingen also zur Bar und da habe ich auch ihre Schwester kennengelernt. “Hey, ich bin die Schwester”, sagte die und ich hatte ein bisschen den Eindruck, dass sie die Beschützerin für das traurige Mädchen war. Da hätte ich aufpassen sollen, denn eigentlich war ich mit Lena, einer Bekannten von mir, verabredet. Ich tanzte einige Zeit mit dem traurigen Mädchen und schrieb nebenbei mit Lena, die gleich ankommen würde.

Ich war in leichte Unruhe versetzt, denn da war noch immer das traurige Mädchen und gleich würde Lena kommen und das Ganze war auf dem besten Weg etwas kompliziert zu werden. Wurde es aber nicht. Irgendwie war das traurige Mädchen plötzlich weg, als Lena da war und wir haben uns geküsst und nichts ist passiert. Situation gemeistert, dachte ich.

Anscheinend hat mich meine Vergangenheit im B72 allerdings doch noch unbemerkt verfolgt, denn Lena erzählte mir später, dass sie von verschiedenen Mädchen angerempelt und mit bösen Blicken bedacht wurde. Das tat mir dann doch etwas Leid. Deswegen bekam Lena dann auch Schokokuchen und Rotwein, als wir bei mir in der Küche saßen, quasi um die erlittenen Qualen wieder wett zu machen. :)

Von Lena habe ich übrigens auch gelernt, dass Alkohol die Geschichtsfälschung fördert. Ich bin es gewohnt mich an Dinge nicht zu erinnern, aber, dass ich mich auch an Dinge erinnere, die sich so offenbar gar nicht zugetragen hatten, wusste ich bis Samstag noch nicht. Ich war fest davon überzeugt, dass Lena und ich schon so etwas wie eine romantische Vergangenheit hatten, was Lena allerdings entschieden bestritt. Zu der Zeit, als wir uns kennenlernten hatte sie einen Freund. So wenig Bewusstsein für die Vergangenheit sollte mir vielleicht doch Sorgen bereiten.

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10 Gründe einen Club auf der Stelle zu verlassen

Kennt ihr das, ihr kommt in ein neues Tanzlokal und seid zunächst hauptsächlich negativ überwältigt? Bleiben oder gehen? Der Abend könnte schließlich noch besser werden und dann… Hier sind 10 Indikatoren, die euch garantieren, dass der Abend nicht besser wird:

1.

Die Türsteher führen sich in irgendeiner Weise lächerlich auf oder fühlen sich, als wären die Gäste ihre Dienstleister und nicht umgekehrt. Ihr müsst den Club also nicht mal betreten. Es könnte passieren, dass euch so ein netter Abend entgeht, aber der Laden wird seine Personalpolitik schon ändern, wenn die Gäste wegbleiben.

2.

Ein überproportional hoher Anteil an Trägern von weißen Sakkos und Mokassins, dicht gefolgt von Lackschuhen.

3.

Eine Getränkekarte, die aussieht, als wolle da jemand euer letztes Monatsgehalt.

4.

Schlechte Musik. Ich denke dabei nicht an eine bestimmte Musikrichtung, denn Qualität ist in jedem Genre zu erkennen. Ich denke an “Partyhits und All-Time Favorites” . Sollte ein Club etwas in der Art auf seine Flyer schreiben, könnt ihr auch gleich fernbleiben.

5.

Ein großer Pulk von männlichen Besuchern, der es sich zunächst zur Aufgabe gemacht hat, alle, aber wirklich alle Frauen an der Bar anzusprechen, und seine “Mission Impossible” nach ausreichendem Alkoholgenuss auf dem “Dancefloor” fortsetzt.

6.

Ein mit Kordeln abgesperrtes “VIP-Area” , das von Investmentbankern zum “After-Work-Floor” geadelt wird.

7.

DJanes oder DJs, die sich dazu berufen fühlen kleine Ansagen in die Tracks einzubauen oder freiwillig Happy Birthday Songs für ihre Gäste und ihren ganz besonderen Tag spielen.

8.

“Discopumper” in Muscleshirts, die angestrengt das Produkt ihrer harten Arbeit schütteln.

9.

Wenn sich ein Club zunächst nur spärlich füllt und ab einem gewissen Punkt mehr Leute gehen, als zur selben Zeit kommen, dann wird der Laden nicht mehr voll. Wer auf volle Clubs steht sollte verschwinden. Zur Uhrzeit lässt sich wegen regionalen Unterschieden nicht viel sagen, aber eine Faustregel besagt, dass es spätestens 3 Stunden nach Beginn der Veranstaltung und ca. 4 Stunden vor Ende einigermaßen gefüllt sein sollte.

10.

Der Club kotzt euch aus anderen Gründen so richtig an.

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Von der Kunst auf der Tanzfläche zu glänzen

Die meisten Leute tanzen nicht gern. Ich spreche hier nicht von anmutigem Ballet vor großem Publikum, feurigem Flamenco unter der Sonne Spaniens oder einem Walzer auf dem Wiener Opernball, ich spreche von… Ja wovon eigentlich? Schon da fällt es mir schwer eine Einordnung zu finden. Modern Dance? Nein, da habe ich schon wesentlich professionellere Darbietungen gesehen. Was ich meine ist das wochenendliche Tanzen in Clubs. Seien es zuckende Raver, hüftschwingende R’n'B-Hörer oder pogende Punks, kaum einer tut sich den Spaß an, ohne vorher reichlich Alkohol oder Drogen konsumiert zu haben. Natürlich gibt es da Ausnahmen, die Leute von der “Wir können auch ohne Alkohol Spaß haben”-Fraktion zum Beispiel, die wagen sich dann auch ganz ohne Starthilfe auf die Tanzflächen der düsteren Betonschuppen dieser Stadt.

Es ist Mittwoch ca. zwei Uhr, also eigentlich Donnerstag.  Ich bin wieder in Berlin und im White Trash ist Mittwochs einfach mehr los als im Flex, also ist es relativ voll. Meine Starthilfe zündet allerdings noch nicht richtig und deswegen stehe ich eine Weile gegen die Wand gelehnt da, ein Bier in der Hand, man braucht ja schließlich was zum festhalten. Man muss mal für eine Weile nur eine einzige Person beobachten, das kann sehr aufschlussreich sein. Ich beobachte Person um Person und irgendwann muss ich lachen, im Kopf male ich mir eine Typisierung der männlichen Tänzer aus.

Typ 1: Der Freund

Der Freund hält sich oft in einer Gruppe von Mädchen auf. Die Mädchen um ihn herum, sind allerdings nicht unbedingt von seinen Tanzkünsten angelockt worden, sie kannten ihn einfach vorher schon. Der Freund wird mitgenommen, er kennt die Mädchen ziemlich gut ist für sie aber harmlos, ein Freund eben. Er bewegt sich eher schüchtern, wippt ein wenig mit, wirkt dabei aber eher steif. Der Freund hat nicht die Ambitionen fremde Mädchen anzutanzen, vermutlich ist er schon lange in ein Mädchen aus der Gruppe verliebt und hofft, sie könnte seine Gefühle irgendwann erwidern. Die Mädchen finden ihn nett, aber nicht anziehend, es passiert dem Freund häufiger, dass seine Auserwählte von einem anderen umgarnt wird.

Typ 2: Der Schüchterne

Unter seinen Freunden fällt der Schüchterne gar nicht als schüchtern auf. Er kommt meistens in einer Gruppe von Männern in den Club, die stark alkoholisiert ist und auch sonst um ein möglichst selbstbewusstes Auftreten bemüht. Die Männer stellen sich zunächst im Kreis an den Rand der Tanzfläche, bis einer von ihnen es wagt ein paar Tanzbewegungen zu machen. Er gestaltet diese aber so selbstironisch, dass niemand auf die Idee kommen würde, er meine sie ernst. Die Männer um den Schüchternen ahmen sich schließlich beim Tanzen gegenseitig nach, es wird viel geguckt, aber auf eine Frau zuzugehen traut sich keiner.

Typ 3: Der Macho

Der Macho ist der König im Club. Er trägt ein Hemd mit einigen offenen Hemdknöpfen, die seine kahlrasierte Brust zum Vorschein bringen. Er trägt Gel im Haar und ein Krokodil auf den Schuhen unter Umständen rundet er sein Outfit mit einem kleinen Goldkettchen ab. Der Macho wedelt viel mit den Armen herum und versucht auch sonst viel Aufsehen zu erregen. Frauen nähert er sich grundsätzlich von hinten, indem er versucht deren Gesäß mit seinen Händen möglichst vorteilhaft vor seinem Schritt zu positionieren. In den guten Clubs ist der Macho bei Frauen unbeliebt, aber schlussendlich findet er immer eine, die ahnungslos genug ist, sich auf ihn einzulassen.

Typ 4: Der Abgedrehte

Der Abgedrehte fällt durch einen extravaganten Tanzstil auf. Alles, was er macht, macht er in groß und auffällig. Im White Trash liefen gleich einige dieser Exemplare herum, die sich ihres Hemdes entledigt hatten und ihre dicken Bierbäuche stolz in das leicht verstörte Publikum hielten. Einer von ihnen bettelte ein Mädchen immer und immer wieder um einen Kuss an. Erst ging sie weg, dann gab sie ihm eine Backpfeife und als er sich noch immer weigerte aufzugeben küsste sie ihn schlussendlich doch. In diesem Fall hat Hartnäckigkeit wohl zum Erfolg geführt.

Insgesamt ist ein Club eine sehr lustige Sache und wenn ihr mal Zeit habt, stellt euch das ganze doch mal für einen kurzen Moment mit Licht, ohne Alkohol und Drogen vor. Na, hat wer Lust zu tanzen?

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Der Morgen

Heute gefiel ihm die Stadt. War sie auch für gewöhnlich kalt und glich einer stotternden Fabrik, die schon lange keine absatzfähigen Güter mehr produzierte, so störte ihn das heute nicht. Oft hatte er die fehlende Lockerheit, den mangelnden Zeitgeist oder die Abwesenheit von Authentizität verflucht, doch jetzt war es ihm gerade recht, dass er den Leuten scheißegal war. Sie waren es ihm auch. Nach dem Aufstehen hatten sie miteinander geschlafen, in der Nacht war er zu betrunken gewesen. Der Verkehr zog an ihm vorbei, ein riesiger Strom, der immer nach Osten floss. Da wo die Sonne aufgeht. Es war schon 2 Uhr, aber für ihn war es der frühe Morgen, auch wenn die Sonne längst nicht mehr im Osten stand. Irgendwann hatte er behauptet er müsse gehen, er habe noch einen wichtigen Termin. Was das für ein Termin war hatte sie nicht gefragt, es wäre ihm auch keiner eingefallen. Er war auf die Straße gestolpert und wusste nicht mehr, wo er sich befand. Diesen Bezirk kannte er noch nicht, doch er machte sich trotzdem auf den Weg. Nur in einem T-Shirt hatte sie ihn an der Tür verabschiedet. Sie wollte ihn gar nicht gehen lassen. Irgendwann schaffte er es sich von ihr loszueisen. Sie sah so verletzlich aus mit den nackten Füßen auf dem dunklen Parkett. Seine Haare standen in alle Richtungen ab, er hatte weder geduscht, noch die Zähne geputzt. In der emsigen Welt um ihn herum war er ein Fremdkörper. Er hing zwischen den Welten, denn die Anderen hatten längst wieder den Anzug angezogen und die Schminke aufgelegt. Er steckte noch immer in der eigenen Haut, würde sich erst zu Hause wieder verkleiden können. Es eilte ihn nicht. Dies war sein Morgen und er fühlte sich gut dabei. Auf eine Zigarettenschachtel hatte sie ihre Nummer gekritzelt, er wünschte sie hätte auch den Namen dazugeschrieben. Eigentlich war das egal, er würde ohnehin nicht anrufen. Wenn er es sich recht überlegte, war das kein Gekritzel. Sie hatte eine sehr schöne Handschrift. Er hatte Menschen mit einer schönen Handschrift immer bewundert, seine war unleserlich und auch unansehnlich. Er fühlte sich, als wäre er einer Ausdrucksmöglichkeit beraubt. Der warme Wind im Rücken trieb ihn voran, es war der erste sonnige Tag in diesem Jahr. Er wusste gar nicht genau, warum sie ihn mitgenommen hatte. Eigentlich wollte er an diesem Abend nicht weggehen, aber schließlich hatte er sich doch entschlossen ein paar Bier in der Kneipe zu trinken. Seine Begleiter hatten ihn auf ein paar Shots eingeladen und die übliche Übermut des Alkohols hatte ihn dann  veranlasst weiterzuziehen. Auf der Tanzfläche in einer wummernden Betonhalle hatte er sie schließlich gesehen. Etwas unentschlossen tanzte er sie an und sie ließ sich auf ihn ein. Irgendwann stolperten sie Arm in Arm aus dem Club und sie hatte ihn gefragt, ob er nicht mit zu ihr kommen wolle. Auf dem Weg zu ihr hatten sie sich unterhalten, sie war ihm sympathisch. Schade, dass er sie nicht wieder anrufen würde. Ihm lag das einfach nicht. Frauen treffen, eine Beziehung führen, das war nichts für ihn. Die Nerven dafür hatte er nicht. Eine Nacht hier und eine Nacht dort reichten ihm vollkommen aus, Sex würde er immer brauchen. Den Spaß eine Frau einzufangen, sie für sich zu gewinnen, neugierig zu machen, den würde er ebenfalls niemals missen können. Aber eine Beziehung? Wer brauchte das? Er jedenfalls nicht. Vor ihm tat sich ein U-Bahn Schacht auf, doch er beschloss zu gehen. Es war etwas weiter bis zu seiner Wohnung, aber den Moment fühlte er am besten auf der Straße. Sie hatten miteinander geschlafen, dann döste er noch eine Weile vor sich hin. Sie weckte ihn, indem sie zärtlich seinen Oberkörper küsste, sie taten es ein zweites Mal und sie schmiegte sich danach an seine Brust. Er lag auf dem Rücken, die Augen geöffnet und beobachtete die Zimmerdecke. Er mochte nicht sagen, dass ihm solche Augenblicke besser gefielen als der Sex, aber er genoss die ruhigen Minuten mit dem weichen Körper an seiner Seite. Mit der linken Hand spielte er in ihren Haaren herum, strich ihr über die Wange, er mochte es, wenn seine Bekanntschaften glücklich waren. Besonders, wenn er der Grund dafür war. Sie drehte den Kopf ein wenig und sah ihm direkt in die Augen, er hielt ihrem Blick nur einen kurzen Moment stand und musterte sie stattdessen liebevoll. Fast wäre er über einen Betrunkenen gestolpert. Er lag direkt vor ihm gegen eine Hauswand gelehnt, roch wie jemand, der schon einige Zeit ein Leben auf der Straße führte. Wie lang das wohl sein mochte? Ein Tag vom ersten Schluck, bis zu dem, der ihn vergessen ließ. Leute, die einen großen Bogen um ihn machten, niemand, der mit ihm sprach. Emmas nackte Füße gingen in seinem Kopf herum. Liam hatte sich verliebt. Er hatte sich verliebt.

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Die Sache mit dem Feuerlöscher

Alle guten Nächte beginnen mit Shots und auch alle schlechten Nächte beginnen mit Shots. Man kann dabei vorher nicht genau sagen, ob es eine gute oder schlechte Nacht wird. Das Problem an Shots ist meistens, dass man sich bei der Menge verschätzt. Man trinkt und vom einen auf den anderen Moment ist man weg. Die Erinnerung an die jeweils gute oder schlechte Nacht ist häufig eher getrübt und so muss man sich oft von anderen erzählen lassen, was denn eigentlich passiert ist. Samstagnacht fehlt mir auch, aber auch mein Kompagnon Robert, der gerade aus Rumänien zu Besuch war, kann mir bei der Suche danach nicht helfen.

Wir waren in einer Kneipe auf der Geburtstagsparty meiner Mitbewohnerin. Gerade erst waren wir angekommen, aber schon als ich von der Toilette zurückkehrte, war Robert an der Bar tief in ein Gespräch mit der Kellnerin vertieft. Ich gesellte mich zu ihnen und es entwickelte sich eine nette Unterhaltung. Wie sich herausstellte war die Kellnerin (Laura) öfter in Berlin und so diskutierten wir die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Berlin und Wien. Laura gefiel besonders an Berlin, dass es dort eine Kiezstruktur gibt und, dass die Menschen im Allgemeinen toleranter und lockerer sind als in Wien. Den ersten Shot gab sie mir aus, weil sie der Meinung war, ich hätte einen Sprachfehler, sie behauptete, ich lispele. Ich war zwar etwas beunruhigt und lispelte tatsächlich, wenn ich lispeln sagte, aber der Wodka beruhigte mich schnell wieder. Ein weiterer interessanter Aspekt des Abends war, dass Robert und ich uns unser Bier selbst zapfen konnten. Wir durften es vermutlich nicht, aber Laura hatte schließlich noch den Rest der Party zu bedienen und so konnten wir das ein oder andere Bier umsonst ergattern.

Die Nacht wurde älter und wir mit ihr. Wobei mit älter gemeint ist, dass wir uns weniger koordiniert bewegen konnten und auch unsere Fähigkeit uns auszudrücken zusehends schwand. Laura hatte hinter der Theke ordentlich mitgetrunken und gab uns hin und wieder einen Wodka aus. Kurz vor der letzten Runde, kamen auch die anderen Übriggebliebenen an die Bar und es gab noch einmal ein paar Wodka, Laura war inzwischen definitiv betrunken und auch wir hätten wohl kein Zielschießen mehr gewonnen.

Wir verließen also die Lokalität und machten uns auf den Weg ins B, Robert hatte noch etwas Wodka-Energy dabei und auch den müssen wir wohl vernichtet haben. Ab hier wird die Erinnerung dann Bruchstückhaft. Irgendwie haben wir es noch ins B geschafft und ich meine mich zu erinnern, dass uns die Türsteher dann relativ schnell rausgeworfen haben. Schon was im B passiert ist weiß ich nichtmehr und das nächste woran ich mich erinnern kann ist ein Feuerlöscher. Robert und ich waren irgendwo auf der Straße und ich hielt einen Feuerlöscher in der Hand. Außerdem eine Metallstange, die hier in Wien im Winter überall an den Häuserwänden befestigt sind. Robert trug ein Straßenschild und eine schwarze Aufstelltafel, wie sie vor Kneipen zu finden ist, mit sich rum. Wo zum Teufel hatten wir nur den Feuerlöscher her? Die anderen Dinge ließen sich noch leicht erklären, aber ein Feuerlöscher?

Wir waren jedenfalls fest davon überzeugt, dass wir unsere Beute unbedingt mit nach Hause nehmen mussten und machten uns auf den Weg. Ich frage mich noch immer, wie ich mich auf dem Weg vom B zu mir verlaufen konnte. Man muss sich das so vorstellen: Vom B läuft man zehn Minuten nur geradeaus, dann ist man bei mir. Ich bin fast jede Woche im B und finde den Weg eigentlich blind. Wir aber waren irgendwo und ich hatte nicht den blassesten Schimmer wo das war. Wir zogen also immer am Gürtel entlang und suchten mein zu Hause. Irgendwann ging uns auf, dass die Polizei uns vielleicht anhalten würde und so verließen wir die große Straße, um uns in den kleinen Nebenstraßen noch hoffnungsloser zu verirren.

Wir müssen schon ein lustiges Bild abgegeben haben, einem Freund, dem wir die Story erzählten, fiel dazu spontan ein wir seien “moderne Spartaner” , wegen der spitzen Metallstange. So taumelten wir beide jedenfalls durch die Nacht Sparta bzw. zu Hause allerdings nicht findend. Auf dem Weg verloren wir irgendwann die schwarze Aufstelltafel und nachdem ich wohl an die 10 Taxifahrer nach der Richtung gefragt hatte, beschlossen wir wieder zum Gürtel zurückzukehren. Ein fataler Fehler wie sich herausstellte. Wir waren noch nicht lange auf der großen Straße gegangen, da sah ich neben uns einen Wagen der Staatsmacht rollen. Ich wies Robert schnell darauf hin, wir warfen unsere Beute auf den Boden und liefen schnell weiter. Die Staatsmacht hatte natürlich alles gesehen und stoppte mich an der nächsten Einmündung mit ihrem Auto. Robert war auf und davon.

Das folgende Gespräch lässt sich durchaus in den Bereich der Völkerverständigung einordnen. Die beiden Beamten stiegen aus, verlangten meinen Personalausweis und begannen mit ihrer Befragung. “Was wollten sie denn mit dem Feuerlöscher?” “Welcher Feuerlöscher?”, lallte ich und bemühte mich dabei verdutzt zu klingen. “Der den sie da eben noch getragen haben.” “Ach, der.”, sagte ich und machte eine kurze Pause.”, “Der lag da hinten irgendwo rum.”. “Ja und was wollten sie damit?” , bohrte der Bulle weiter, “Ich wollte den da vorne an die Kreuzung tragen damit man ihn besser sieht.”. “Warum denn das?”, fragte mein Gegenüber entgeistert, “Naja damit den jemand wiederfinden kann.”, sagte ich und war inbrünstig von meiner Wohltat überzeugt. “Und was wollten sie mit dem Kraken?” “Dem was?” “Dem Kraken.”, wiederholte der Polizist und ich hatte mich offenbar nicht verhört. “Ich hatte keinen Kraken.”, sagte ich, “Natürlich, den haben sie doch eben mit der jungen Dame zusammen getragen.”, entgegnete der Polizist. Der andere Beamte sah schon etwas ungeduldig drein und auch mir wurde das langsam zu viel. “Ich hatte doch keinen Kraken.”, wiederholte ich, jetzt schon ernsthaft erzürnt. “Natürlich, jetzt lügen sie mich nicht an. Der liegt doch da hinten.” “Nein, da liegt ein Feuerlöscher und zwei Verkehrsschilder.” “Ja, das heißt hier bei uns so, Kraken, das ist das Verkehrsschild.” Komisches Land, dachte ich, Kraken? Wer nennt denn ein Verkehrsschild Kraken? “Achso.”, sagte ich dann und der Mann in blau schien aufgegeben zu haben. “Ihre Adresse bräuchte ich dann noch bitte.” “Die haben sie doch.”, sagte ich und deutete auf den zweiten Beamten, der meinen Personalausweis in der Hand hielt. “Nein nicht ihren Namen, die Adresse.” “Na die steht doch da drauf.” “Nein, ihre Adresse in Österreich.” “Achso.”, sagte ich einmal mehr und diktierte dem Beamten meine Adresse. “Gut und jetzt noch die Telefonnummer.” “0-1-7-8″, fing ich an, da unterbrach mich der Beamte schon, “Wollen sie uns hier verarschen, was ist denn das für eine Vorwahl.” “Das ist meine Vorwahl.”, sagte ich trotzig. “Die gibt es nicht.”, sagte er und wollte schon mit erhobenem Finger fortfahren, als ihn sein Kollege anstupste: “Ich glaube das ist eine deutsche Nummer.”, sagte er. “Achso, also 0049 und weiter?” Ich diktierte ihm dann meine Telefonnummer zu Ende und danach entließen mich die Beamten mit den mahnenden Worten, dass ich vielleicht noch eine Anzeige wegen Sachbeschädigung bekommen würde. Mir ist wirklich schleierhaft, warum sie mich nicht gleich mitgenommen und in die Ausnüchterungszelle gesteckt haben, einen vernünftigen Eindruck kann ich nämlich nicht hinterlassen haben. Ich lief also weiter und an der nächsten Straßenecke traf ich auch Robert wieder, nach Hause fanden wir dann ziemlich schnell, es waren noch ca. 100 Meter. Zum Glück waren die Spartaner nicht so betrunken, als sie ihre Schlachten schlugen, ansonsten hätten sie es wohl nicht zum kriegerischsten Volk im antiken Griechenland gebracht.

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Die ultimative Männerfantasie

Männerfantasien gibt es unzählige. Es gibt typische und untypische. Zunächst mal kann man die meisten dieser Fantasien wohl in zwei Gruppen unterteilen:

1. Haben mit Sex zu tun.

2. Haben nicht mit Sex zu tun.

Zur zweiten Gruppe gehören zum Beispiel Autos, der Sieg des Lieblingssportclubs, plötzliches Muskelwachstum und noch einige Weitere. Zur ersten Gruppe hingegen sind unglaublich viele hinzuzurechnen. So viele, dass ich sie hier nicht alle aufzählen möchte und vermutlich auch nicht aufzählen kann. Schließlich sehe ich mich nicht als den universellen Mann und zugegebenermaßen übersteigen wohl allein meine  eigenen Gedanken einen erträglichen Leseaufwand.

Ich behaupte hier mal, dass Sex mit zwei Frauen eine der Top-Fantasien darstellt. Auch die öffentliche Meinung scheint hier mit mir übereinzustimmen. Nicht umsonst träumt Turk in Scrubs mehrfach von Sex mit Carla und einer weiteren Frau. In der Serie How I met your mother loben Ted und Barney sogar einen Meisterschaftsgürtel für denjenigen von ihnen aus, der den magischen Dreier zuerst erreicht. Eine klare Sache also, zwei Frauen zur gleichen Zeit sind ein Männertraum.

Was das jetzt mit mir zu tun hat? Meine Geschichte beginnt ein paar Wochen früher:

Es war mal wieder Wochenende und weil ich als Student sowieso wenig zu tun habe, war ich natürlich feiern. Irgendwann, als ich betrunken zur Bar stolperte, um diesen Zustand noch etwas zu vertiefen sprach mich ein Mädel an. Sie sagte sie hätte mich schon einige Male angesprochen, weil ich bei einem Film mitspielen sollte, den ihre Freundinnen drehen wollten. Ich konnte mich nicht daran erinnern, entschuldigte mich und ließ mir ihre Handynummer geben. Am nächsten Tag wachte ich auf und das Vergessen wollte mich schon wieder packen, als ich in meinem Handyspeicher einen Erinnerungsfetzen fand. Ein neuer Eintrag. Sabrina. Sabrinas Nummer war quasi mein virtueller Knoten im Taschentuch. Ich schrieb ihr erstmal eine Textnachricht und erfuhr , dass ihre Freundinnen an die Angewandte wollten, dafür aber einen Film drehen mussten. Irgendwie sollte es in dem Machwerk um Facebook-Kritik gehen. Ich verschwieg vorsichtshalber meine latente Facebooksucht und tat weiter interessiert. Sabrina gab mir dann erstmal die Nummer einer ihrer Freundinnen. Inzwischen hatte ich allerdings das Interesse verloren und kümmerte mich dann nicht weiter darum.

Bis zu dieser Woche sind mir Sabrina und der Film auch nicht mehr durch den Kopf gegangen, jetzt wollen sie allerdings scheinbar nie wieder hinaus:

Sonntag war wieder einer dieser Tage, an denen man von früh bis spät pennt, nichts richtiges mit sich anfängt und dann Abends beschließt wegzugehen. Man muss sich schließlich wenigstens einmal am Tag aus der Wohnung bewegen. Ein Einkauf kann übrigens den selben Effekt erzielen, dieser ist Sonntags allerdings schwieriger.

Weggehen bedeutet am Sonntag fast immer Fledermaus, so auch an diesem Abend. Das gefährliche an Sonntagen, sowie an allen anderen Tagen der Woche (ausgenommen Freitag und Samstag) ist, dass man die Dynamik im Club nicht richtig einschätzen kann. Es gibt auch unter der Woche genügend Locations, die einigermaßen gut gefüllt sind, es ist aber manchmal nicht ganz einfach diese zu finden. Nichts ist frustrierender als in einem halb leeren Club zu sitzen, in dem die Gäste auch noch langsam weniger werden. Man möchte den eventuell schon bezahlten Eintritt nicht opfern, weiß auch nicht genau, ob es woanders voller ist und so bleibt man dann doch irgendwie da.

In der Fledermaus war es mäßig voll und es leerte sich auch ziemlich früh. Ich stand also am Rand der Tanzfläche, weil eine nur spärlich betanzte Tanzfläche nur selten zum Tanzen anregt und trank stattdessen. Irgendwann lächelte mich ein Mädel an, ich lächelte zurück und wenig später stand sie neben mir an der Bar. Ich also: “Na, wie heißt du?” Sie: “Wir kennen uns.” Ups, ich begann schon fieberhaft nachzudenken woher ich sie denn kannte und ob es einen Grund geben könnte, dass sie irgendwie sauer auf mich war, fuhr aber erstmal mit einem, “Echt? Woher denn?”, fort. Könnte ja sein, dass sie mich verwechselte. “Ja ich hab dich schon dreimal angequatscht, ob du bei nem Film von zwei Freundinnen von mir mitspielst. Ich bin Sabrina.” Da war es wieder, Sabrina. Ich hatte mich zwar nie mehr gemeldet, es erschien mir allerdings nicht so gravierend, dass ich flüchten müsste. “Das ist übrigens eine meiner Freundinnen.”, sagte sie und zeigte auf ein Mädchen, das mir vorher schon aufgefallen war. Zunächst mal war sie mir aufgefallen, weil sie ziemlich gut aussah, dann, weil sie ständig überall zu sehen war. Sabrina stellte uns also kurz vor, es entwickelte sich allerdings kein weiteres Gespräch und die beiden verschwanden wieder.

Kurze Zeit später aber zweifelte ich meine Trinkfestigkeit aufs Schärfste an. Viel hatte ich noch nicht intus und trotzdem sah ich schon doppelt. Da lehnte die Freundin von Sabrina gleich zweimal am DJ-Pult. Ich merkte schnell, dass es wirklich zwei Personen waren, ging hin und fragte ob sie verwandt seien. “Ja, wir sind Zwillinge.”, schallte es einhellig zurück. Zwillinge?  Meine Augen müssen geleuchtet haben.

Da war sie, die ultimative Männerfantasie. Zwillinge. Was ist besser als Sex mit zwei Frauen? Sex mit Zwillingen. Natürlich kann ich das nicht aus erster Hand bestätigen und eine Freundin brachte mich schnell darauf, dass ich wohl auch keinen Sex mit meinem Bruder und einer weiteren Frau haben wollen würde. Die perfekte Träumerei war trotzdem geboren.

Schon wenige Stunden später sah ich mich allerdings auch schon den ersten Problemen mit Zwillingen gegenüber: Eine der beiden war netter zu mir gewesen, wenn ich Sabrina nach der Nummer fragen würde, könnte ich aber leider nicht sagen, welche das gewesen ist. Vermutlich muss es also ein Traum bleiben. Er wäre wohl sowieso nie Wirklichkeit geworden. Männerfantasien wären schließlich keine Fantasien, würden sie sich mehrheitlich erfüllen.  Ich such jetzt aber trotzdem erstmal die Handynummer, die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Auf Bald.

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Der beste Studiengang der Welt.

Viele Studiengänge sind bekanntlich mit allerlei Klischees und Vorurteilen behaftet. Da wären der staubtrockene Jurist, der kellergebleichte  Informatiker und die geldgeilen Zahnmediziner. Mein Studiengang sieht sich gleich einer ganzen Heerschar von Vorurteilen gegenüber. BWL. “Wer nichts wird, wird Betriebswirt.”, fällt einem da erstmal ein und das Polohemd sowie der BMW sind nur weitere Assecoires aus der Klischeekiste. Bei mir an der Fakultät sieht das freilich ganz anders aus. Da sind die Publizistikstudenten die beliebtesten Opfer oder vielmehr die Publizistikstudentinnen. Es sollen sagenumwobene vier Frauen auf einen Mann kommen. Die kleinen Sticheleien gegen andere Studienrichtungen können sehr lustig sein und sogar viele Professoren sind mit von der Partie.

Mir ist allerdings früh aufgegangen, dass meine Studienrichtung eklatante Auswirkungen auf mein Sozialleben haben kann. Die Reaktionen auf mein Geständnis sind zumeist eher verhalten, besonders bei Frauen habe ich immer das Gefühl einen kleinen Schock auszulösen. Ich erinnere mich dabei zum Beispiel an eine Kunststudentin, die, als wir schon auf dem Weg zu ihr nach Hause waren, immer wieder murmelte: “Mein Gott, Bwl, sowas hatte ich ja noch nie.”. Der Abend ist dann zwar noch gut ausgegangen, ich wusste aber, dass ich meine Vorgehensweise ändern muss.

Einige meiner Kommilitonen sind dazu übergegangen zu behaupten sie wären Medizinstudenten. Für sie perfekt. Ärzte haben ebenfalls Geld. Womit sie es verdienen wirkt allerdings viel interessanter und sie haben scheinbar mehr Berechtigung zu dem kleinen Gott-Komplex, unter dem auch viele Bwl’er leiden.

Da ich über meine Studienrichtung nicht lügen möchte, habe ich mir etwas anderes überlegt. Ich würde die Studienrichtung einfach weglassen, die Frage danach ist aber unerlässlich. Auch meine Mitbewohnerin fragt, wenn sie im Club einen Typen kennenlernt immer drei Dinge: Name? Alter? Studienrichtung?. Die “three essentials”. Man kann sich also sicher sein, dass die Frage früher oder später aufkommt. Ich gucke also verlegen und sage dann nach einiger Zeit ich studiere Wirtschaft. Wirtschaft klingt nicht ganz so trocken wie Bwl, es klingt ein wenig Weltmännischer und damit kann ich ganz gut leben.

Dieses Wochenende war ein Freund aus Berlin zu Besuch. Thomas. Thomas studiert Maschinenbau und sieht sich damit vor allem einem Frauenproblem gegenüber. Ich hatte also geplant, dass wir das Wiener Nachtleben in vollen Zügen auskosten würden, da Thomas in Zürich -seinem Studienort- eher weniger damit gesegnet ist. Wir waren in der Fledermaus. Die Fledermaus ist ein netter Club im ersten Bezirk. Als wir ankamen verhieß das Publikum einen interessanten und hoffentlich erfolgreichen Abend. Nach einer Weile hatte ich ein Mädel angequatscht, wir tauschten also Namen und Alter aus und natürlich kam das Gespräch auch auf die Studienrichtung. Ich muss zugeben, ich weiß nicht mehr was sie studiert, aber sie heißt Kathi. Den kurzen Moment den ich zögerte nutzte sie allerdings zum Raten aus und es ist durchaus amüsant, was sie vermutete. Maschinenbau. Ich fragte natürlich gleich warum sie dachte ich studierte Maschinenbau und sie erklärte, dass ich gezögert hätte und Maschinenbau wäre ein Grund zu zögern. Ich sagte ihr dann ich studiere Wirtschaft und sie nickte verständnisvoll. Dieses Nicken kannte ich schon.

Ich frage mich allerdings, was die beliebten Studiengänge sind. Maschinenbau und Bwl waren es schonmal nicht, Thomas und ich hatten also keine Chance. Vielleicht sollte ich mir beim nächsten Mal einen Studiengang ausdenken, den es gar nicht gibt. Er müsste einen komplizierten, aber interessanten Namen haben. Im Idealfall würde sich gleich eine Menge Gesprächsstoff aus dem Studiengang ergeben. Einen Versuch wäre es wert.

Thomas Maschinenbauwissen hat mir am Sonntag allerdings vermutlich das Leben gerettet. Zumindest hat es mich vor gefrorenen Zehen bewahrt. Wir wollten erst in eine Bar und danach weitersehen. Die Zeit war allerdings mal wieder schneller vergangen, als man einer UBahn hinterherrennen kann und so verpassten wir selbige. Es war schon spät. Wir nahmen also die nächste Bahn, der Anschlusszug hatte zu unserem Ärger allerdings schon den Betrieb eingestellt. Die Treppe hinauf zum Nachtbus, um festzustellten, dass dieser erst in über einer halben Stunde fuhr. Unschlüssig standen wir also eine Weile herum und hofften wohl beide, dass eine städtische Fußbodenheizung endlich in Erwägung gezogen werden würde. Es war Schweinekalt. Wir entschieden ein Taxi wäre irgendwie zu dekadent und beschlossen zu warten. Nach kurzer Zeit meldete sich aber wieder Frosti der Schneemann und weil wir nicht auch so werden wollten wie er bewegten wir uns wieder nach Unten in den wärmenden U-Bahn-Schacht. Während Thomas nur was von Kamin-Effekt faselte und dass es da unten furchtbar ziehen würde, war ich froh, dass es trotz aller Physik ein paar Grad wärmer war als Draußen.

Thomas sinnierte allerdings noch weiter über das Kaminproblem und kam auf die grandiose Idee im Fahrstuhl zu warten. Da müsste es am wärmsten sein. Wir stiefelten also zum Fahrstuhl und es war wirklich angenehm da drinnen. Ein wenig Sorgen machte ich mir aber, als die Rolltreppe stehenblieb. Ich hatte Angst, auch dem Fahrstuhl würde der Strom abgestellt werden.

Eine grausame Phantasie. Nachts im Fahrstuhl. Es ist kalt, dunkel und riecht dezent nach Urin. Das mit dem Uringeruch könnte sich sogar verschlimmern, wenn man selbst dringend mal müsste. Nichts zu essen außer der halben Flasche Sekt, die wir bei uns hatten. Keine angenehme Art seinen Abend zu verbringen. Thomas bestand allerdings darauf im Fahrstuhl zu bleiben. Ich hoffte,  Thomas als fleißiger Maschinenbauer würde uns aus der Maschine Fahrstuhl befreien können, sollte er tatsächlich stehenbleiben. Ich hätte neben ihm gestanden und versucht den Arbeitsprozess zu optimieren. Er blieb nicht stehen. Mein Glück. Ich hätte mich wohl ernsthaft nach dem Sinn meiner Tätigkeit fragen müssen. ;)


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Sind Sie sicher?

Ich hatte schon Angst, dass ich dieses Wochenende kein Thema zum Schreiben finden würde, aber zum Glück hat mir Maria Fekter aus der Patsche geholfen. Wer das ist fragt ihr euch? Zu Recht, solange ihr nicht aus Österreich kommt. Frau Fekter ist die österreichische Innenministerin und eine sehr gründliche, wie ich finde. Ihre Heldenstunde hatte sie letzten Sonntag. Seit einigen Wochen wütet in der politischen Öffentlichkeit ein Streit um ein Asyl-Erstaufnahmezentrum (den Namen hab ich mir nicht ausgedacht) in einer kleinen Gemeinde im Burgenland. Die widerspenstigen Einwohner dieser Gemeinde, wollen nämlich partout nicht akzeptieren, dass ein solches in ihrem schönen Ort erbaut werden soll. Da können die Christdemokraten von der ÖVP noch so sehr von der Notwendigkeit dieses Zentrums überzeugt sein, die Burgenländer haben eben Angst, schließlich wirbt die FPÖ ja auch öffentlich damit, das die hohe Zahl von Immigranten die Kriminalitätsrate erheblich steigert. Was also tun als braver Burgenländer? Darauf wusste die Innenministerin in der ORF-Pressestunde eine Antwort. Sie schlug vor, man solle die Asylbewerber einfach einen Monat lang in diesen Lagern einsperren. Natürlich wollte sie nicht von einsperren sprechen, sie sprach stattdessen von einer “Anwesenheitspflicht”. Eine elegante Lösung hatte Fekter da aus dem Hut gezaubert, die kriminellen Ausländer wären gut aufgehoben im
Asyl-Erstaufnahmezentrum und die furchtsamen Österreicher könnten wieder beruhigt in ihren Wohnzimmern sitzen. Das der Vorschlag wohl verfassungswidrig ist, bleibt da doch nur ein Formfehler.

Die Österreicher scheinen aber im Allgemeinen ein sehr sicherheitsbedürftiges Völkchen zu sein. Das erfuhr ich, als ich kürzlich bei McDonalds in der Schlange auf mein Essen wartete. Vor mir tat eine schon eher betagte Seniorin das Gleiche . Dachte ich zumindest. Ich wurde eines Besseren belehrt. Die Seniorin kam wohl etwas zu dicht an ihren Vordermann heran, daraufhin drehte der sich energisch um und sagte: “Beklauen sie mich hier etwa?” “Wie kommen sie denn darauf?”, antwortete sie etwas verdutzt, dann war für eine Weile Ruhe. Für meine Freunde und mich war schon dieser kurze Vorfall eine willkommene Abwechslung bei der ganzen Warterei, der Mann hatte sein Pulver allerdings noch nicht verschossen. Kurz bevor er an der Reihe war drehte er sich noch einmal um und sagte: “Achtung, hier kommt die Ursula.”, es war offenbar die Seniorin gemeint, dann fügte er an mich gewandt hinzu: “In Wien da können sie niemandem glauben. Da ist selbst die netteste Oma eine Diebin. In der edelsten U-Bahn Linie, der U4, da ist mir schon ALLES geklaut worden!”. Wow, das schockierte mich auf zweierlei Weise, zunächst wusste ich nicht, dass eine U-Bahn Linie edel sein konnte und dann schien quasi ganz Wien wie die Bronx zu sein. Kein Wunder, dass die Österreicher nach mehr Sicherheit verlangten. Die diebische Alte hat dann übrigens einem Obdachlosen zwei Hamburger und eine Cola gekauft.

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Wenn man plötzlich nichtmehr dazugehört

Es gibt viele Dinge, die ich immer schon machen wollte, aber mich nie getraut habe. Eine heißt das Mädchen in der Bahn. Manchmal passiert es, dass ich auf der Straße oder in der Bahn ein wirklich umwerfendes Mädchen sehe und mit umwerfend meine ich umwerfend, nicht die Sorte “ganz nett” oder “sieht gut aus”, sondern mehr in Richtung “hat mein Herz eben kurz aufgehört zu schlagen? Ich weiß es nicht, ich war damit beschäftigt dich anzustarren.”, bedrückend schön also. Das Problem an diesen seltenen Momenten ist, dass man nicht vorbereitet ist. Es ist hellichter Tag, man sitzt fest im Alltagstrott, und dann trifft es einen ganz unerwartet. Abends beim Weggehen stellt man sich darauf ein, das Ansprechen fällt leichter. Jedenfalls gab es schon einige solcher Situationen und hinterher dachte ich immer: Verdammt! Denn leider sind diese Momente auch so flüchtig.

In der Bahn also wurde ich Zeuge einer solchen Begegnung. Mir gegenüber nahm ein Mädchen platz, ich las und schenkte ihr keine weitere Aufmerksamkeit. Im Folgenden allerdings trug sich etwas zu, das mich von meinem Buch ablenken konnte. Ein Typ kam herüber, er sagte: “Hey, du freust dich immer so wenn ich dich sehe.” Ungewöhnlich, aber gut, er hatte sich getraut, was ich sonst kaum fertig brachte. Das Mädchen reagierte quasi mit noch mehr Freude, sie kicherte verlegen, errötete, sah zur Seite, der Typ lies sich allerdings nicht verunsichern und führte das entstehende Gespräch fort. Die beiden schienen sich häufiger am Bahnhof zu sehen, aus ihrem Gespräch konnte ich entnehmen, dass sie sich gegenseitig schon vorher aufgefallen waren, er hatte also doch einige Anläufe gebraucht, bis er all seinen Mut zusammengerafft hatte und sie nun endlich ansprach. Merkwürdig ist aber, in welche Richtung sich so ein Gespräch entwickeln kann. Ich erinnere mich nicht an seinen Namen und auch nicht an ihren, allerdings erinnere ich mich an etwas anderes: “Ja, meine Freunde in der Schule nennen mich auch Cindy, Cindy aus Marzahn.” , sagte sie da plötzlich, und ich fragte mich, wie man auf die Idee kommt bei einer ersten Begegnung so etwas zu erzählen, und damit war längst noch nicht Schluss: “Naja, sie sagen halt ich rede so und sehe so aus oder so.”, führte sie fort, als er nur verständnislos guckte. Warum? Ich weiß nicht wer von euch Cindy aus Marzahn kennt, aber in meinen Augen ist diese im schlechten Fernsehen auftretende Kunstfigur ein ganz und gar nicht zu erstrebender erster Eindruck. Das war nicht meine Welt, ich hatte mir so eine U Bahn Begegnung irgendwie magischer vorgestellt, vielleicht auch nur eine naive , verklärte Anwandlung von Romantik oder aber Kitsch.

Gestern habe ich festgestellt, was außerdem irgendwie nicht meine Welt ist. Eigentlich war es meine Welt, aber an diesem Abend, konnte ich mich emotional nichtmehr mit einer Ansammlung von betrunkenen Jugendlichen auf eine Wellenlänge bringen, dabei war ich es selbst und bin es noch – Jung, nicht ständig betrunken-. Die Rede ist vom Weggehen und um das näher zu definieren, vom Weggehen in Clubs. Wir hatten uns vorher getroffen, hatten getrunken, es war mein erster Abend in Wien seit einigen Wochen. Flex stand auf dem Programm, ich war stark angeheitert, drinnen war es voll, draußen kalt, die Musik laut – ein perfekter Abend, um betrunken umherzutorkeln (tanzen) und dabei vielleicht zufällig ein Mädchen zu “treffen”. Bemüht habe ich mich, ich hab getrunken, getanzt, versucht eine fulminante Nacht zu verbringen. Irgendwann kam aber der Punkt, an dem ich mich fragte, was ich da eigentlich mache. Ich konnte trotz hohem Alkoholisierungsgrad und einigen knapp bekleideten Mädchen der Sache nichts mehr abgewinnen. Irgendwann stand ich am Rand über eine Brüstung gelehnt und beobachtete nur noch, was um mich herum geschah. Menschen in einem Club sehen merkwürdig aus, wenn man sie einmal ganz nüchtern betrachtet. Sie reden, sie bewegen sich komisch -es gibt unglaublich wenig Leute, die wirklich tanzen können- , sie sind überdreht und sie sehen fertig aus. Mit welchem Ziel? Ich wette, dass mindestens 90% der männlichen Clubgänger nur das Ziel haben Frauen abzuschleppen, bei den Frauen bin ich mir da nicht so sicher, die meisten, die ich dazu befrage behaupten, sie würden nur kommen um zu tanzen, ich glaube das jetzt hier mal. Mir erschien der Abend jedenfalls unbedeutend und ziellos, plötzlich hatte ich das Gefühl nichtmehr dazuzugehören, die morphende Menge war dort und ich war ein Fremdkörper. Wenigstens war da noch Sophie, die mir durchs Haar wuschelte, als ich den Kopf senkte.

Schön ist auch, wie eine Freundin auf den Text reagiert hat. Sie sagte ich wirke so menschlich, wie ich erkenne, dass dieses ganze Nachtleben, Frauenabschleppding eigentlich sinnlos ist. Als hätte ich mich einer geistigen Reinigung unterzogen. Einer Karthasis. Ganz unschuldig war ich dann aber doch nicht, schließlich war da noch Sophie. Die Läuterung muss also noch warten, vielleicht bis zum nächsten Wochenende.

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Alles beim Alten

Eigentlich schreibe ich diesen Eintrag nur wegen des ersten Satzes: 00:00 Uhr habe ich auf dem Klo verbracht! Ja richtig, auf dem Klo. Ein neues Jahrzehnt und ich saß auf der Schüssel. Eigentlich super das nächste Jahr so einzuleiten, man spart sich den ganzen Stress mit den Sektgläsern, den krampfhaft Telefonierenden und den nicht enden wollenden Glückwünschen zum Neuen Jahr. Nicht, dass ich es unbedingt geplant hatte mich zum Höhepunkt der Nacht in der Toilette zu verkriechen, aber auf der Party bei Carl gab es nur ein (!) Klo und das konnte man auch nicht abschließen. Mir schien also die Idee mich zum Jahresbeginn, wenn alle auf der Straße tanzen, erstmal in Ruhe zu setzen als eine ganz vorzügliche. Schön wars. Bequem wars. Auch nach 12 darf man noch “Frohes Neues” wünschen, also warum nicht?
Im Moment bin ich wieder zu Hause. Das erste Mal seit ich mein Studium in Wien angefangen habe bin ich wieder hier. Ich hab mich sehr auf zu Hause gefreut, auch wenn ich das vorher nie vermutet hatte, aber so war es. Nicht, dass ich es schlimm gehabt hätte, aber ich war eigentlich nie der Typ für Heimweh. Da war allerdings noch die Sache mit der Angst, in vielen Büchern, Filmen, Serien, Blogs habe ich hin und wieder gelesen, dass man sein Elternhaus, so wie man es kannte mit dem Auszug für immer verlässt und es auch nie wieder zurückbekommt. Mit ruhigem Gewissen kann ich den Studentinnen und Studenten, den Davongelaufenen und allen anderen, die das behauptet haben gewissermaßen einen großen Batzen Schnee in die Hose stopfen und sagen: “Ha, mit mir nicht!” Zu Hause ist noch immer zu Hause, mal sehn wie lange noch.
Zu Hause heißt dann auch wieder Berlin. Hier hat sich auch nicht viel verändert, aber manche Dinge fallen einfach viel mehr auf wenn man sie eine Weile lang nicht gesehen hat. Die Straßen sind größer in Berlin. Größer und breiter. Berlin ist insgesamt ziemlich groß. Ich hab das bei Wikipedia mal überprüft: Berlin ist 891,85 km² groß, Wien aber nur 414,89 km², Wien ist also wirklich nicht einmal halb so groß wie Berlin. Das ist mir aufgefallen. Was mir auch aufgefallen ist, ist, dass Wien nicht einmal halb so gut ankommt wie Berlin. In Wien reagierten die meisten Leute sehr ähnlich wenn ich ihnen erzählte, dass ich aus Berlin komme. Sie sahen mich entgeistert an und fragten was zu Hölle ich denn in Wien wolle wenn ich doch aus Berlin komme. Ich hab das hier also mal ausprobiert. Im Bang Bang Club bei einem Mädel das da an der Bar lehnte. Der Abend war sowieso langweilig, um es freundlich auszudrücken, es war etwas unbelebt, was entweder daran liegt, dass der erste Weihnachtsfeiertag war oder daran, dass es im Bang Bang Club viel zu oft leer ist. Ich ging also zu ihr hin und erzählte ihr frei heraus, das ich aus Wien komme. Sie wirkte allerdings nicht besonders interessiert und entgeistert schon gar nicht. Das war also nichts, man kann die meisten Großstädter allerdings wunderbar in ihrem patriotischen Stadtstolz verletzen, bei Berlinern geht das besonders gut. Wenn sie also schon von Wien nicht beeindruckt war wollte ich sie wenigstens ein bisschen aus der Reserve locken. “In Wien ist aber mehr los, ich bin ja nach Berlin gekommen, weil das die Party Metropole sein soll und so…” Sie sprang auch sofort darauf an und beteuerte, dass hier sonst der Bär steppt oder wie man das in Berlin sonst so nennt. Also weiter: “Weißt du nicht wo man sonst noch hingehn könnte? Muss doch noch irgendwas anderes geben.” Wusste sie nicht, sie kam aus Zehlendorf, alles klar, auch da war also noch alles beim Alten.

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